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La crisi

Geld ist Nichts   

Geld ist Nichts. Ein Nichts, das, so könnte es gedacht gewesen sein, in Umlauf gesetzt wird, damit brauchbare Dinge – Brot, Kleid, Zahnersatz – produziert und verteilt werden können. Je weniger das Geld diesen Zweck erfüllt, desto deutlicher wird: Als solches ist Geld Nichts. Zwar muss heute noch, wer, wie auch immer, viel vom Nichts angesammelt hat, sich keine Sorgen machen, sollten ihr die Zähne ausfallen. Wohingegen jemand, dessen Konto gegen Null tendiert, im selben Fall schlaflose Nächte verbringt. Noch hält sie leidlich, die Vereinbarung: Geld ist zwar Nichts, aber eines, das, wenn alle Beteiligten es für Etwas und sich an bestimmte Regeln halten,  dafür sorgt, dass alle leben können.  Je undurchschaubarer aber das Verhältnis zwischen dem beliebig vermehrbaren Nichts und den brauchbaren Dingen – Brot, Zahnersatz, Freude, Sinn – wird, desto dringender wird das Bedürfnis, darüber nachzudenken, warum wir eigentlich an dieses Nichts glauben. Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Nichts sich nicht in Etwas, sondern wiederum in Nichts verwandelt, wächst dieses Bedürfnis. Es äussert sich unterschiedlich, je nach Kontext: im Kopfschütteln derer, die man vor Jahren als Spinnerinnen beschimpfte, weil sie schon damals die Moral des  Schweizer Bankgeheimnisses in Zweifel gezogen haben. In besorgten Gesprächen derer, die noch nicht wirklich unter der Abwesenheit nützlicher Dinge leiden. In scheinbar plötzlich auftretenden Demonstrationen, in steigenden Suizidraten, in Amokläufen. Sobald das Nichts seinen Zweck, Etwas entstehen und uns zukommen zu lassen, nicht mehr erfüllt, brechen früher oder später auch die Vereinbarungen ein, die das Nichts zu einem praktischen Instrument gemacht haben. Dann, so hoffen wir Frommen, sei  DAS LEBENDIGE uns gnädig.


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